Die Gewässerrenaturierung am Großbach in Schmidthachenbach ist ein Projekt, das von der Ortsgemeinde Schmidthachenbach im Landkreis Birkenfeld in Rheinland-Pfalz in Zusammenarbeit mit Enviro-Plan GmbH durchgeführt wurde. Enviro-Plan (damals gutschker-dongus) wurde von der Ortsgemeinde Schmidthachenbach beauftragt, den Renaturierungsplan für das Gewässer zu erstellen und hat die gesamte Renaturierungsmaßnahme gesteuert und begleitet. Das Projekt wurde zu 90 Prozent durch die Aktion „Blau Plus“ des rheinland-pfälzischen Umweltministeriums mit ca. 336.500 Euro unterstützt. Die Bauarbeiten wurden ab Ende August 2025 durchgeführt und dauerten etwa zwölf Wochen an.
Der knapp zwölf Kilometer lange Großbach verläuft durch die Ortsgemeinde Schmidthachenbach in der Verbandsgemeinde Herrstein-Rhaunen und wurde als stark, beziehungsweise sehr stark verändert, eingestuft. Dies wirkte sich negativ auf die Wasserqualität, das Ökosystem und die Hochwasserprävention aus. Gerade in der heutigen Zeit mit vermehrt vorkommenden Starkregen- und Hochwasserereignissen gewinnen Renaturierungsmaßnahmen immer größere Bedeutung. Daher wurde die Entscheidung getroffen den Großbach im Bereich der bebauten Ortslage zu renaturieren. Die Gewässerrenaturierung des Großbachs verfolgte die Ziele die ökologische Funktionsfähigkeit des Gewässers wiederherzustellen und es in einen naturnahen Zustand zu versetzen, denn renaturierte Fließgewässer verfügen im Hochwasserfall über ein größeres Rückhaltevermögen. Darüber hinaus trägt die Gewässerrenaturierung dazu bei, die Selbstreinigungskraft des Gewässers zu erhöhen, den Nährstoffeintrag aus der angrenzenden Landwirtschaft zu reduzieren und die Ziele der EU-Wasserrahmenrichtlinie zur Erreichung eines guten ökologischen Zustands zu unterstützen.
Enviro-Plan erstellte die notwendigen Unterlagen für das Genehmigungsverfahren (Genehmigungsplanung nach §76 / § 110 LWG). Unter anderem den Fachbeitrag Wasserrahmenrichtlinie, den Fachbeitrag Naturschutz mit integrierter artenschutzrechtlicher Bewertung sowie die standortbezogene UVP-Vorprüfung. Unser Fachpersonal analysierte detailliert den damaligen Zustand (vor der Renaturierung) von Boden, Wasser, Klima sowie Flora und Fauna, um in den Gutachten die möglichen Auswirkungen auf das Ökosystem zu bewerten. Ein wesentlicher Bestandteil war die artenschutzrechtliche Prüfung, die sicherstellte, dass geschützte Lebensräume und Arten durch die Baumaßnahmen nicht gefährdet werden. Es wurde festgestellt, dass die Renaturierungsmaßnahme zu einer nachhaltigen Verbesserung des Naturhaushalts führt und keine erheblichen negativen Umwelteffekte zu erwarten sind.
In Rheinland-Pfalz fördert das Umweltministerium Maßnahmen zur Gewässerentwicklung über das Programm „Aktion Blau Plus“ mit 90 Prozent. Envio-Plan erstellte die erforderlichen Unterlagen für die Fördermittelbeantragung, so dass die Förderung in Höhe von 336.500 Euro genehmigt wurde. Zusätzlich wurden 17.600 Euro von der Stiftung Natur und Umwelt Rheinland-Pfalz (SNU) bewilligt. Nach der erfolgreichen Fördermittelbeschaffung und Entwurfsplanung der Gewässerrenaturierung erstellten unsere Landschaftsarchitekten und Ingenieure der Objektplanung die detaillierte Ausführungsplanung und die Ausschreibung gemäß VOB. Enviro-Plan leistete die Bauüberwachung bei den umfangreichen Bauarbeiten, die Ende August 2025 begonnen haben und circa zwölf Wochen andauerten.
Die Renaturierung des Großbaches erstreckt sich über eine Länge von etwa 920 Metern, beginnend von der ersten Brücke in der Ortslage bis hin zur Brücke am Ende der Antestalstraße. Damit sich der Bach natürlich ausdehnen kann, wurden Sohlschalen aus Beton entfernt und die Gemeinde hat mehrere umliegende Grundstücke (Uferrandstreifen) erworben. Durch die Grundstücksankäufe stehen dem Großbach nun Flächen von 20 bis 32 Metern Breite zur Verfügung (insgesamt ca. 18.500 m²). Dies ist besonders bei Starkregen wichtig, damit der Großbach einen größeren Ausdehnungsbereich hat und dadurch verringert sich das Hochwasserrisiko.
Darüber hinaus wurden folgende Ziele mit der Gewässerrenaturierung erreicht:
- Verbesserung der Gewässerdurchgängigkeit: Ein zentrales Hindernis, ein zerstörter Beton-Absturz unterhalb der Antetalstraße, wurde vollständig entfernt und durch eine naturnahe, fischgerechte Struktur „Raue Rampe“ (Fischaufstiegsanlage, Sohlrampe) ersetzt. Die etwa 40 Meter lange Sohlgleite mit einer deutlich flacheren Neigung (Verhältnis 1:20) aus Natursteinen verbessert die Fischwanderung am Großbach maßgeblich. Die Verwendung von Naturstein-Blocksteinen und die natürliche Sedimentation sorgen für eine raue Oberflächenstruktur, die Ruhezonen für Fische und andere Wasserorganismen bietet. Die „Raue Rampe“ ermöglicht durch reduzierte Fließgeschwindigkeit des Gewässers den wandernden Fischen den Fischaufstieg zu den oberen Gewässerabschnitten und anderen Wasserorganismen die longitudinale Durchgängigkeit des Bachlaufs.
- Optimierung der Gewässerstruktur: Durch den Rückbau von Verbauungen und Begradigungen (Rückbau von Verrohrungen und Betonbefestigungen) sowie den Einsatz von Strömungslenkern (Wassersteine, Totholz, Wurzelstubben) kann der Bach wieder eine eigendynamische Entwicklung nehmen, mäandrieren und sein Profil aufweiten. Die Wurzelstubben wurden an verschiedenen, mit der Bauüberwachung abgestimmten Stellen im Bachbereich fest eingebaut. Die durch Steinschüttungen geschaffenen Strukturen dienen der Gewässervitalisierung und verbessern die Lebensraumkapazität (Habitatverbesserung) für Wasserorganismen. An den Zuläufen wurden zudem Mulden angelegt, um Schwemmgut abzufangen (Treibgutfang) und bei Starkregen als Retentionsflächen zum Hochwasserschutz zu dienen.
- Aufwertung des Vegetationsbestandes: Bestehende Nadelholzbestände (Douglasien) wurden gerodet und der natürlichen Sukzession überlassen, was mittelfristig zur Entwicklung einer gebietstypischen Flora führt. Ergänzend wurden entlang des Ufers standortgerechte Laubbäume gepflanzt, um die Biodiversität zu fördern und das Landschaftsbild aufzuwerten.
- Schaffung eines Fußweges: Um den renaturierten Bereich in der Ortslage für die Bevölkerung zugänglich zu machen, wurde parallel zum Bach ein etwa 350 Meter langer Weg angelegt.
- Entwicklung eines Aufenthaltsbereiches: Im Norden des Gebiets wurden die Uferzonen abgeflacht, um die Zugänglichkeit zu erleichtern. Der neue Aufenthaltsbereich wurde mit Sitzgelegenheiten bestückt (Bänke und Natursteinblöcke), um neue Möglichkeiten für die Naherholung zu schaffen.
Die Gewässerrenaturierung, wie dieses Renaturierungsmaßnahme in Rheinland-Pfalz aufzeigt, ist ein bedeutsamer Beitrag zur Verbesserung der biologischen Vielfalt sowie Natur- und Wasserhaushalt. Denn die naturnahen, beschatteten Gewässer wirken sich positiv auf die klimatischen Bedingungen aus. Die Renaturierung von Fließgewässern trägt durch eine verbesserte Selbstreinigungskraft zur Erhöhung der Wasserqualität bei und kann außerdem zu einer Zunahme der Fischpopulationen führen. Besonders in besiedelten Räumen bieten Flüsse und Bäche, die in einem möglichst guten und naturnahen Zustand sind, für die Umwelt sowie für uns Menschen viele Vorteile. Die Renaturierung des Gewässers und die naturnahe Ufergestaltung ist bei Hochwasserlagen resilienter und gleichzeitig wird eine artenreiche Erholungslandschaft geschaffen. Im Gegensatz zu harten Verbauungen fügen sich die organischen Einbauten und die ökologische Aufwertung des Gewässerumfeldes harmonisch in das Landschaftsbild ein. Dies bietet mehr Lebensqualität für die Menschen, die in Gewässernähe wohnen oder sich in ihrer Freizeit gerne in einer natürlichen Umgebung aufhalten.
Enviro-Plan ist stolz darauf, diese umfangreiche Renaturierung von Beginn an begleitet zu haben und so einen wichtigen Beitrag zur biologischen Vielfalt und zur Verbesserung der Lebensqualität der Bürgerinnen und Bürger in Rheinland-Pfalz geleistet zu haben.
Sind die Flüsse und Bäche in Ihrer Ortsgemeinde begradigt und in technische Bauwerke mit Betonschalung verwandelt worden? Dann kontaktieren Sie Enviro-Plan, damit unsere Landschaftsarchitekten und Landschaftsarchitektinnen eine naturnahen Gewässerentwicklung umsetzen können. Sie greifen auf langjährige Expertise im Fachgebiet Gewässerbau und Renaturierung zurück und legen viel Wert auf eine individuelle Beratung und Betreuung. Enviro-Plan übernimmt für Sie die Projektabwicklung von der Gestaltung bis hin zur Umsetzung, Bauleitung und Pflegebetreuung.
Enviro-Plan bietet folgende Leistungen für Gewässerrenaturierungen an:
· Projektsteuerung
· Bestandserfassung und Grundlagenermittlung
· Bestandsanalyse
· Abstimmung von Planungszielen mit Fachbehörden
· Biotoptypenkarte
· Fachbeitrag Wasserrahmenrichtlinie zum Genehmigungsverfahren
· Fachbeitrag Naturschutz zum Genehmigungsverfahren nach WHG mit integrierter artenschutzrechtlicher Bewertung
· Standortbezogene UVP-Vorprüfung
· Planzeichnungen, Entwurfsplanung
· Kostenschätzung und Kostenberechnung
· Förderantrag
· Planvorlageberechtigung
· Antrag auf Erteilung einer Wasserrechtlichen Plangenehmigung
· Genehmigungsplanung nach §76 / § 110 LWG
· Ausführungsplanung
· Erstellung von Ausschreibungsunterlagen gemäß VOB
· Bauüberwachung
· Projektdokumentation
· Projektabrechnung